Wie die Klapse für mich war – so überhaupt nicht wie im Film

Wie die Klapse für mich war – so überhaupt nicht wie im Film

Serien zeigen die Psychiatrie mit kalten weißen Wänden, Gittern und Menschen, die an Betten festgeschnallt sind. Meine Erfahrung hat jedoch überhaupt nichts mit diesem Bild am Hut. Ich war zwar nicht in der Geschlossenen, aber ich konnte auch dort einen Blick hineinwerfen und es sah auch nicht wie das von den Medien geschaffene Bild aus.

Im Gegenteil, es gab auf der Depressionsstation viel Sonnenlicht (ohne Gitter vor den Fenstern), Pflanzen und war alles in allem sogar recht schön. Es hat mich sofort beruhigt, dass die Klapse nichts mit dem Bild, das mir im Kopf herum schwirrte gemein hatte.

Auch der Tagesplan, bzw. die Dinge, die man machte waren nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ja, man sollte (wenn möglich) um 7:10Uhr im Gemeinschaftsraum sein. Um Struktur in den Alltag zu bringen – aber wenn man es nicht schaffte war es nicht schlimm.

Ich wurde auch nicht mit Medikamenten vollgepumpt und mir wurde nicht in den Mund geschaut, um zu sehen ob ich meine Tabletten auch wirklich geschluckt habe. Es war jedem selbst überlassen Medikamente zu nehmen und ich dachte ich gebe den Antidepressiva eine Chance. Die Angst ein Hirnloser Zombie zu werden war zwar immer da, aber nach vielem Googeln (wir hatten Internet und durften Handys, … außer zu den Therapien immer nutzen) verlor ich den Großteil dieser Angst.

Ich weiß nicht genau was für eine Art Bild dazu passen würde. Ohne Bild sieht es aber auch komisch aus, also hier ein Bild einer Hortensie 😀

Es gab nur weniger Gruppentherapien und Gespräche mit Psychologen als ich dachte. Gruppentherapie gab es zweimal die Woche und den Psychologen sah ich, wenn es gut lief einmal die Woche (manchmal nur alle zwei Wochen). Aber mir haben die Gespräche mit den anderen schon sehr viel geholfen. Genau wie die Medikamente und der Abstand zu meinem Alltag.

Die sechs Wochen vergingen wie im Flug und ich entdeckte wieder meine Leidenschaft für kreatives wie Malen/Zeichnen. Nur das lesen viel mir zu der Zeit schwer, da ich Probleme hatte mich zu konzentrieren oder herunter zu kommen. Also verbrachte ich viel Zeit im Gemeinschaftsraum und führte viele interessante Gespräche mit Menschen, die ich sonst wohl nie kennengelernt hätte.

Das Alter der „Insassen“ war ziemlich divers von 18 bis über sechzig war alles dabei und alle waren super nett. Ich habe mich echt wohl gefühlt (so wohl wie man sich in der Klapse nur fühlen kann).

Das Essen war okay, wenn auch nicht so, dass ich mich auf die Mahlzeiten gefreut hätte. Einmal die Woche wurde man gewogen und Blutdruck gemessen und morgens musste man täglich an einer Theke seine Medikamente abholen. Das hat mich doch etwas an die Filme, die man vielleicht so kennt erinnert hat.

Das war jetzt mal ein kleiner Einblick in meine Zeit in der Klapse. Vielleicht werde ich das noch genauer ausführen, aber ich hoffe es reicht um das Bild in Zwangsjacke und Co. etwas zu vertreiben. 🙂

Chiara

Hallo, ich bin Chiara und gerade noch dabei meinen ersten Blog aufzubauen. Ich hatte lange Zeit mit Depressionen zu kämpfen, aber ich fühle ich in letzter Zeit endlich wieder wie ich selbst und würde deshalb gerne meine Erfahrungen teilen. Ich würde mich über Feedback freuen :)

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